Roger Waters Biografie
Roger Waters ist mehr als nur der Bassist von Pink Floyd. Er ist der zynische Visionär, der Konzeptalben wie The Wall und Dark Side of the Moon entwarf. Während David Gilmour für die himmlischen Gitarrenklänge sorgte, lieferte Waters das Fundament aus Beton und Stahl. Seine Texte sind geprägt von Kriegstrauma, Kapitalismuskritik und dem Verlust seines Vaters – Themen, die ihn vom psychedelischen London der 60er bis in die großen Arenen der Gegenwart begleiten.
Kindheit und die Schatten von Cambridge
Alles beginnt mit einem Trauma: Roger wurde 1943 geboren, und sein Vater Eric Fletcher Waters fiel nur fünf Monate später im Zweiten Weltkrieg bei Anzio. Dieser Verlust zieht sich wie ein roter Faden durch Rogers gesamtes Werk, von The Wall bis The Final Cut. Aufgewachsen in Cambridge, hasste er die autoritäre Schule – der Stoff, aus dem später „We don’t need no education“ wurde. Zum Studium zog er nach London (Architektur am Regent Street Polytechnic), wo er Nick Mason und Rick Wright traf. Zusammen gründeten sie eine Band, die erst durch den genialen, aber labilen Syd Barrett zu Pink Floyd wurde.

Syd Barretts Absturz und Rogers Aufstieg
Anfangs war Roger nur der Bassist im Hintergrund. Syd Barrett war der unbestrittene Anführer und kreative Kopf. Doch Syds massiver LSD-Konsum und seine psychischen Probleme führten zum Zusammenbruch. Als Syd nicht mehr funktionierte und aus der Band flog, stand Roger vor der Wahl: aufgeben oder übernehmen. Er entschied sich für Letzteres und wurde zum textlichen und konzeptionellen Chef der Band
Die Goldene Ära
Nach einer Suchphase (Meddle, Echoes) schuf die Band 1973 mit The Dark Side of the Moon ein Monster. Roger schrieb alle Texte. Das Album thematisierte Wahnsinn, Zeitdruck und Gier – und machte die Band unermesslich reich. Doch der Erfolg machte Roger nicht glücklich. Er fühlte sich entfremdet. Auf Wish You Were Here (1975) verarbeitete er Syds Schicksal und seine Wut auf die Musikindustrie. Mit Animals (1977) wurde sein Ton noch schärfer und politischer, inspiriert von George Orwells Farm der Tiere. Roger teilte die Menschen in Hunde, Schweine und Schafe ein.
The Wall und das Ende von Pink Floyd
The Wall (1979) war Rogers Baby. Es ist quasi seine Autobiografie, vermischt mit Syds Wahnsinn. Während der Produktion riss er die Kontrolle so sehr an sich, dass er Keyboarder Rick Wright feuerte (der dann als bezahlter Musiker auf Tour mitkam). Das letzte gemeinsame Album The Final Cut (1983) war im Grunde ein Waters-Soloalbum mit Pink Floyd als Begleitband. 1985 stieg Roger aus und erklärte die Band für eine „kreativ verbrauchte Kraft“. Er dachte, das sei das Ende. Doch Gilmour und Mason machten weiter. Es folgte ein hässlicher Rechtsstreit. Das Ergebnis: Gilmour behielt den Namen „Pink Floyd“, Roger bekam die Rechte an The Wall und dem berühmten aufblasbaren Schwein.
Die Solo-Jahre
Rogers Start als Solokünstler war holprig. Während Pink Floyd Stadien füllten, spielte er vor kleinerem Publikum. Sein Befreiungsschlag war The Wall – Live in Berlin (1990) am Potsdamer Platz. Eine gigantische Show mit Stars wie den Scorpions und Bryan Adams zur Feier des Mauerfalls. 2005 geschah das Wunder: Für Live 8 stand er noch einmal für 24 Minuten mit Pink Floyd auf der Bühne. Eine letzte Umarmung, bevor Rick Wright 2008 starb.
Der zornige alte Mann
In den letzten Jahren füllt Roger wieder Stadien, vor allem mit seiner gigantischen The Wall-Tour (2010–2013) und der Us + Them-Tour. Seine Konzerte sind visuelle Überwältigungen, aber auch politische Kundgebungen. Roger nimmt kein Blatt vor den Mund: Er kritisiert Israel scharf (was ihm Antisemitismus-Vorwürfe und Konzertabsagen einbrachte), wettert gegen US-Präsidenten und kommentiert den Ukraine-Krieg kontrovers. Auf seiner This Is Not a Drill-Tour warnt er Fans direkt zu Beginn: Wer seine Politik nicht mag, soll sich „an die Bar verpissen“. 2023 veröffentlichte er The Dark Side of the Moon Redux – eine Neuaufnahme des Klassikers, in der er die Songs als alter Mann flüstert und zerlegt. Ein mutiger, aber bei vielen Fans umstrittener Schritt. Zudem arbeitet er an seinen Memoiren Love and Truth, die tiefere Einblicke in sein Leben geben sollen.
