Nick Mason Biografie

Nick Mason bekannt nimmt in der Geschichte der populären Musik eine Position ein, die man ohne Übertreibung als einzigartig bezeichnen kann. Er ist das einzige Mitglied von Pink Floyd, das seit der Gründung der Gruppe im Jahr 1965 bis zu den letzten Aufnahmen und darüber hinaus ununterbrochen Teil dieser Formation war. Während andere Bandmitglieder kamen, gingen oder sich voneinander trennten, blieb Mason der ruhende Pol, der sowohl den Takt der Musik als auch das organisatorische Rückgrat der Band über mehr als fünf Jahrzehnte hinweg aufrechterhielt. Sein Leben ist eine Verbindung aus künstlerischer Beständigkeit und einer diplomatischen Gelassenheit innerhalb eines oft turbulenten kreativen Umfelds.   

Schon in jungen Jahren zeigte sich bei Nick Mason ein ausgeprägtes Interesse an klanglichen Strukturen. Er besuchte das Internat Frensham Heights, eine Schule, die für ihren fortschrittlichen Ansatz bekannt war. Dort erhielt er zunächst klassischen Musikunterricht am Klavier und an der Violine. Diese frühe Ausbildung am Melodieinstrument legte das Fundament für sein späteres Verständnis von Harmonien und Songstrukturen. Die Entscheidung für das Schlagzeug war jedoch weniger das Ergebnis einer tiefgreifenden musiktheoretischen Überlegung, sondern entsprach vielmehr dem jugendlichen Wunsch nach Ausdruck und der Suche nach einem Platz in einer Band. In späteren Interviews erinnerte er sich humorvoll daran, dass er das Schlagzeug nur deshalb wählte, weil die Gitarrenplätze bereits besetzt waren und er keinesfalls den Bass übernehmen wollte.

Nick Mason
Nick Mason

Das Architekturstudium

Nach seiner Schulzeit entschied sich Mason für ein Studium der Architektur am Regent-Street-Polytechnikum in London, das heute als Teil der Universität von Westminister bekannt ist. Diese Wahl war prägend für die spätere Identität von Pink Floyd. Architektur ist die Kunst des Organisierens von Raum und Struktur, eine Fähigkeit, die Mason und seine Mitstudenten später auf ihre Musik übertrugen. Am Polytechnikum lernte er 1964 zwei junge Männer kennen, die seinen Lebensweg entscheidend mitgestalten sollten: Roger Waters und Richard Wright.

Im Jahr 1965 stieß Syd Barrett zur Gruppe und mit Mason am Schlagzeug entwickelte sich aus der Studentenband Pink Floyd. Mason war von Anfang an der Anker der Gruppe. Während Barrett die psychedelischen Grenzen auslotete und Waters sowie Wright die musikalischen Strukturen entwickelten, sorgte Mason für den notwendigen rhythmischen Zusammenhalt.

Schlagzeugstil und Technik

Nick Masons Schlagzeugspiel wird oft als „songdienlich“ und atmosphärisch beschrieben. Im Gegensatz zu vielen seiner Zeitgenossen zeichnete sich Mason durch ein tiefes Verständnis für die Stimmung eines Stücks aus. Er selbst behauptete oft, er verfüge über eine eher bescheidene Technik, doch genau diese Unvoreingenommenheit erlaubte es ihm, innovative Klänge zu kreieren.

Sein Spiel ist geprägt durch den intensiven Einsatz von Tomtoms und Becken, um weite, hallende Räume zu schaffen. Ein Beispiel für seine Experimentierfreude ist das Stück „Set the Controls for the Heart of the Sun“, bei dem er Schlägel statt normaler Drumsticks verwendete. In der Anfangsphase war sein Stil noch deutlich von Jazz-Einflüssen geprägt. Er liebte es, mit Dynamiken zu spielen – von fast unhörbaren Beckenfiguren bis hin zu wuchtigen Einsätzen.

Ein technischer Höhepunkt seiner Karriere ist das Album „The Dark Side of the Moon“ von 1973. Die Eröffnung von „Time“ mit dem Einsatz von Rototoms ist eines der bekanntesten Schlagzeug-Intros der Rockgeschichte. Auch in rhythmisch komplexen Stücken wie „Money“, das in einem ungewöhnlichen 7/4-Takt steht, bewies er seine Präzision. Über die Jahre hinweg wechselte er seine Ausrüstung von frühen Premier-Kits zu Ludwig und schließlich zu Drum Workshop (DW), wobei er stets Wert auf eine robuste Hardware legte.

Die diplomatische Rolle

Innerhalb von Pink Floyd nahm Nick Mason oft die Rolle des Vermittlers ein. Die Band war über weite Strecken ihrer Geschichte von starken Spannungen zwischen Roger Waters und David Gilmour geprägt. Mason, der mit beiden eine tiefe Freundschaft pflegte, versuchte stets, die Wogen zu glätten und den Fokus auf die Musik zu lenken. Diese Fähigkeit zur Diplomatie war essenziell, um die Band durch die schwierigen Jahre der späten 1970er zu führen.

 Seine Loyalität zur Marke Pink Floyd ging so weit, dass er in der Mitte der 1980er Jahre, als die verbleibenden Mitglieder in einen Rechtsstreit verwickelt waren, sein privates Vermögen einsetzte, um das Überleben der Band als globale Marke zu sichern. Mason ist der einzige Musiker, der auf jedem einzelnen Studioalbum von Pink Floyd zu hören ist.

Der Autor und Chronist: „Inside Out“

Im Jahr 2004 veröffentlichte Nick Mason sein Buch „Inside Out: A Personal History of Pink Floyd“. Es war das erste Mal, dass ein Mitglied der Band die Geschichte aus einer internen Perspektive erzählte. Mason nutzte dafür sein umfangreiches privates Archiv an Fotos und Dokumenten. Das Buch zeichnet sich durch einen humorvollen, oft selbstironischen Ton aus. Er beschreibt darin nicht nur die großen Erfolge, sondern auch die absurden Momente des Tourlebens und das Scheitern von Syd Barrett.

Das Buch wurde zu einem Standardwerk. Es bietet tiefe Einblicke in die Aufnahmeprozesse und die logistischen Herausforderungen der Live-Shows. Die Veröffentlichung wurde durch zahlreiche Neuauflagen ergänzt, die auch spätere Ereignisse wie den Tod von Richard Wright berücksichtigten.

Solo-Arbeiten

Obwohl sein Hauptfokus stets auf Pink Floyd lag, fand Mason Zeit für diverse Solo-Projekte. Sein Debütalbum „Fictitious Sports“ erschien 1981 und war eine Zusammenarbeit mit der Jazz-Komponistin Carla Bley. In den 1980ern arbeitete er häufig mit dem Gitarristen Rick Fenn zusammen, unter anderem an dem Album „Profiles“ (1985) und an Film-Soundtracks wie „White of the Eye“.   

Nick Mason’s Saucerful of Secrets

Nachdem Pink Floyd 2014 ihr letztes Album veröffentlicht hatten, überraschte Mason die Musikwelt 2018 mit der Gründung einer neuen Band: „Nick Mason’s Saucerful of Secrets“. Der Impuls kam von dem Gitarristen Lee Harris, der vorschlug, die frühen, psychedelischen Werke von Pink Floyd wieder live aufzuführen.

Mason war begeistert von der Idee, Material zu spielen, das oft seit den frühen 70ern nicht mehr live zu hören war. Die Band, bestehend aus Gary Kemp, Guy Pratt, Lee Harris und Dom Beken, schaffte es, den experimentellen Geist der Barrett-Ära neu zu beleben. Sie tourten weltweit und spielten in intimeren Venues, was Mason sichtlich Freude bereitete. Ein emotionaler Höhepunkt war der Auftritt in Pompeji im Jahr 2023, 52 Jahre nach dem legendären Konzertfilm. 

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